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Am heutigen Samstag beschlossen meine Lebensgefährtin und ich die Grenzen der Hansestadt hinter uns zu lassen und dem Bremer Nachbarort Delmenhorst einen Besuch abzustatten. Wobei der Begriff „Ort“ wohl etwas unterdimensioniert ist, denn diese Stadt am Fluss Delme beherbergt schließlich knapp 80.000 Einwohner. Hier ist auch der SV Atlas Delmenhorst beheimatet, ein in der Metropolregion Bremen/Oldenburg sehr bekannter Fußballverein mit einer sehr bewegten Geschichte.


WP_20151107_001Dabei wurde der Verein, dem wir heute an einem ungewöhnlich warmen Novembertag (knapp 20°C) einen Besuch abstatteten, erst im April 2012 gegründet – als Neugründung, denn über den 1973 durch eine Fusion entstandene Vorgängerverein gleichen Namens fiel im Jahr 2002 das Fallbeil der Insolvenz, Löschung aus dem Vereinsregister inklusive. Doch bevor Hauptsponsor Atlas Weyhausen in finanzielle Schieflage geraten war und an eine Beteiligungsgesellschaft aus München verkauft wurde welche dem Verein anschließend den Geldhahn zudrehte, hatte man beim SV Atlas auch durchaus goldene Zeiten erlebt. Neben den niedersächsischen Meistertiteln 1976, 1984 und 1986 sei hier besonders das Jahr 1995 erwähnt als der blau-gelbe Verein in die damals drittklassige Regionalliga Nord aufstieg. Zweimal gelang dort, mehr oder weniger knapp, der Klassenerhalt, doch am Ende der Spielzeit 1997/1998, nachdem so gut wie alle Leistungsträger den Klub verlassen hatten, fand man sich endgültig auf einem Abstiegsplatz wieder.

Heute, etwa drei Jahre nach der Neugründung, ist der Verein ein wahrer Zuschauermagnet – und das obwohl der Klub derzeit „nur“ in der siebtklassigen Bezirksliga Weser-Ems (Staffel 2) um Punkte und Tore kämpft. Am letzten Spieltag der Saison 2014/2015 musste der SV Atlas Delmenhorst beispielsweise beim VfL Wittekind Wildeshausen antreten, diese Begegnung hält mit etwa 4.000 Zuschauern seit dem den deutschen Zuschauerrekord für ein Bezirksligaspiel. Und selbst heute, als „nur“ der akut vom Abstieg bedrohte TV Esenshamm zu Gast war, fanden sich grob geschätzt 1.000 Zuschauer im Städtischen Stadion an der Düsternortstraße ein, die es an blau-gelber Farbenpracht und Lautstärke durchaus mit einem Zweitliga-Fanblock aufnehmen konnten.

Das die Ambitionen des SV Atlas Delmenhorst nicht in der Bezirksliga aufhören merkte man vor Ort recht deutlich. Auch in Sachen Heimspielvermarktung und Sponsoring hätte man sich ohne Weiteres auch in der Heimspielstätte eines Profiklubs aufhalten können. Das jede einzelne Auswechslung und jeder Torschütze vom Stadionsprecher von einem eigenen Sponsor „präsentiert“ wurde wirkte vielleicht etwas nervig und übertrieben, doch zusammen mit der Tatsache dass keine einzige Bande im Stadion ohne Werbebanner versehen war zeigt dies doch recht deutlich, dass es in Delmenhorst für einen Fußballverein sehr viel leichter ist Sponsoren zu akquirieren als in der großen Nachbarstadt Bremen, wo wirklich alles was auch nur ansatzweise mit Fußball zu tun hat völlig chancenlos vom großen SV Werder Bremen überstrahlt wird.

Nach dem heutigen 5:2-Heimsieg gegen den TV Esenshamm führt der SV Atlas Delmenhorst die Tabelle der Bezirksliga Weser-Ems souverän mit neun Punkten Vorsprung auf den Zweiten VfB Oldenburg II an, der Aufstieg in die sechstklassige Landesliga ist das eindeutige Saisonziel. Langfristig wollen zumindest die Fans jedoch in deutlich höhere Sphären vorstoßen, in mehreren Gesängen wurde sogar schon von der 2. Bundesliga geträumt. Bis es soweit ist werden aber mindestens noch sieben Jahre vergehen müssen – Stadion und Publikum wären jedoch heute schon dessen würdig.

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