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Schreckliches geschah in der vergangenen Nacht. Ein grausames Verbrechersyndikat spie seinen tödlichen Hass über Paris, die Hauptstadt Frankreichs wurde Opfer des zügellosesten Gewaltexzesses seit dem zweiten Weltkrieg. Zeitgleich bestritten die Fußball-Nationalmannschaften von Frankreich und Deutschland im Stade de France ein Freundschaftsspiel gegeneinander, diesen Zeitpunkt haben sich die Massenmörder höchstwahrscheinlich ganz bewusst ausgesucht. Das angesichts dieser schrecklichen Ereignisse der Fußballsport jede Bedeutung und Priorität verliert versteht sich von selbst. Am kommenden Dienstag ist ein weiteres Freundschaftsspiel der DFB-Elf geplant, diesmal in Hannover gegen die Niederlande. Überlegungen werden laut diese Partie abzusagen – verständlich, aber ich meine auch, dass man hier eine Chance ungenutzt lassen würde.


CTxqUFhXAAAOzseWer sich in der ARD die Liveübertragung des Freundschaftsländerspiels zwischen Frankreich und Deutschland ansah, der wurde vor allem in der Schlussphase der Begegnung Zeuge von nackter Hilflosigkeit, personifiziert durch die ARD-Mitarbeiter Tom Bartels, Matthias Opdenhövel und Mehmet Scholl. Sie waren nach Paris gekommen um über einen Fußball-Klassiker zu berichten – und mussten hilflos mit ansehen, wie der Sinn und Zweck ihrer Anwesenheit in die gnadenlose Bedeutungslosigkeit verdunstete. Sie waren hilflos, weil sie es nicht verhindern konnten. Sie waren hilflos weil sie alle ganz genau wussten, dass nur wenige Meter von ihnen entfernt Menschen starben. Sie waren hilflos weil sie verständlicherweise absolut keine Lust mehr auf Fußball hatten, weil sie wussten dass auch die Zuschauer keine Lust mehr auf Fußball hatten – und weil sie leider außer Fußball nichts anzubieten hatten. Daher machten sie weiter mit Fußball, obwohl sich deutlich sichtbar jede Faser ihrer Körper dagegen sträubte. Dafür wurden sie auf Twitter massiv angefeindet, sogar von Medien-„Experten“ die es eigentlich besser wissen müssten.

Ich bin mir sicher, hätten Bartels, Opdenhövel und Scholl die Möglichkeit gehabt, sie hätten auf den Fußball gepfiffen. Doch sie hatten kaum eine Wahl, denn sie wussten nicht was außerhalb des Stadions vor sich ging, konnten daher auch kaum zur Aufklärung beitragen. Sich angesichts dieses Angriffs mit so etwas belanglosem wie Fußball zu beschäftigen, das fühlt sich falsch an, und so haben sicher auch die drei ARD-Reporter empfunden. Sie verzichteten nach dem Spiel auf die sonst üblichen Interviews und Spielanalysen, lediglich Bundestrainer Joachim Löw gab ein kurzes Statement ab, welches verständlicherweise auch nichts mit dem eben stattgefundenen Fußballspiel zu tun hatte. Im Hintergrund des Ganzen, unsichtbar für den Fernsehzuschauer, arbeitete die ARD fieberhaft an einer Sonderausgabe der „tagesschau“-Nachrichten, trug in der Unübersichtlichkeit der Lage Informationen zusammen, analysierte, recherchierte, verifizierte. Es war die absolut nicht beneidenswerte Aufgabe von Sportmoderator Matthias Opdenhövel diese Zeit zu überbrücken, und er tat das mit dem einzigen Thema, das ihm zur Verfügung stand: Fußball-Spielberichte. Die teilweise heftige Kritik, die auf die ARD und auf Herrn Opdenhövel deswegen u.a. auf Twitter einprasselte, lässt sich mir nur dadurch erklären dass die Menschen, tief aufgewühlt ob der schrecklichen Ereignisse und entsprechend emotional, zunächst ihrer Aufregung freie Bahn ließen und mehr oder weniger blind drauflos tippten, ohne sich die Zeit zu nehmen um erstmal einen klaren Kopf zu bekommen. Dieses Phänomen ließ sich auf Twitter sehr verbreitet beobachten, nicht in nur Bezug auf das Fußballspiel, und ich muss sagen dass das aufgeregte Geschnatter teilweise nur schwer zu ertragen war. Das Medienmagazin DWDL hat nachgeforscht und berichtet in diesem Artikel hier, wie diese für alle Beteiligten unschöne Situation zustande kam.

Am kommenden Dienstag ist nun ein weiteres Freundschaftsländerspiel geplant, diesmal soll Deutschland in Hannover gegen das Team der Niederlande spielen. Verständlicherweise stellen sich nun viele Leute die Frage nach der Sinnhaftigkeit dieses Spiels, allen voran DFB-Verantwortliche und Spieler. Die Lust auf Fußball tendiert bei allen hart gegen null. Trotzdem bin ich der Meinung dass es durchaus sinnvoll wäre, dieses Spiel auszutragen. Denn gerade bei dieser Spielpaarung wurde in der Vergangenheit unter den Fans so viel völlig sinnloser Hass versprüht, dass sich keine andere Länderspielpartie wohl besser anbieten würde um der Welt und allen, die uns aus blindem Fanatismus den Frieden nicht gönnen, ein klares Zeichen zu senden; ein Zeichen für Freundschaft, Friede und Freiheit. Ich würde mir ein Freundschaftsspiel wünschen, dass diesen Namen auch verdient; ein Spiel in dem die Fans beider Mannschaften nicht durch Blöcke und Zäune getrennt sind, sondern sich bunt gemischt eines tollen Fußballspiels erfreuen. Ein Spiel, dessen weltweite mediale Präsenz dazu genutzt wird, um für den Frieden zu werben und gegen den Hass. Ich wünsche mir ein Fußballspiel als symbolische Demonstration darüber, wie glücklich wir uns schätzen in Freiheit und ohne die Unterdrückung einer militärischen oder religiösen Doktrin leben zu können. Ich wünsche mir ein Fußballspiel als Zeichen dafür, dass Hass, Terror und Gewalt niemals die Oberhand gewinnen werden. Und die Einnahmen aus diesem Spiel könnte man nebenbei auch noch den Hinterbliebenden der Paris-Attentate zugute kommen lassen.

Lieber DFB, liebe Nationalspieler, aus diesen Gründen bitte ich Euch das Spiel am Dienstag nicht abzusagen, die Furcht und Verängstigung nicht über die Freiheit obsiegen zu lassen, die Chance auf das Entfachen eines Leuchtfeuers der Freundschaft nicht ungenutzt verstreichen zu lassen!

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