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Das Team des FC Sparta Bremerhaven gehörte in der Saison 2014/2015 zum erweiterten Spitzenfeld des Bremer Amateurfußballs. In der fünftklassigen Bremen-Liga, der höchsten Spielklasse im Bereich des Bremer Fußball-Verbandes (BFV), beendete man die Spielzeit auf dem sechsten Tabellenplatz und im Bremer Landespokal unterlag die Mannschaft erst im Halbfinale dem Brinkumer SV mit 0:3. Doch obwohl diese guten Zeiten noch keine zwölf Monate her sind ist der FC Sparta Bremerhaven von heute kaum noch wieder zu erkennen, sondern nur noch ein blasser Schatten seiner selbst.


1557456_470966956342845_958330112_nUm sich ein wenigstens halbwegs brauchbares Bild vom Hergang dieser Demontage machen zu können bedarf es eines kleinen Zeitsprungs. Wir drehen die Uhr knapp dreieinhalb Jahre zurück und landen im Sommer 2012. Bis zu diesem Zeitpunkt firmierte der Verein noch unter dem Namen SC Sparta Bremerhaven und bildete nun eine Spielgemeinschaft mit dem FC Bremerhaven von 1899, welcher in den Spielzeiten 1994/1995 und 1999/2000 an der damals drittklassigen Regionalliga Nord teilnahm sowie in den Saisons 1996/1997, 2005/2006 und 2006/2007 jeweils Erstrunden-Teilnehmer im DFB-Pokal war; zudem war der FC Bremerhaven auch die erste Station in der Trainerkarriere von Felix Magath. Interessant ist hierbei das Wort „Spielgemeinschaft“: dies bedeutet dass beide Vereine autark fortbestehen, aber ihre Mannschaften zusammenlegen. Konkret hieß das in diesem Fall: der Fußballabteilung des FC Bremerhaven stellte die erste Herrenmannschaft, der SC Sparta die unteren Herren- sowie die Juniorenmannschaften, aber alle unter dem neuen Namen FC Sparta Bremerhaven. Ursprünglich war eine Fusion beider Vereine angestrebt worden, doch dieser Plan wurde umgehend wieder verworfen, da in diesem Fall die erste Herrenmannschaft in der alleruntersten Spielklasse hätte starten müssen und so der Bremen-Liga-Startplatz des FC Bremerhaven nicht hätte übernommen werden können.

Eine Liebesheirat war die Bildung dieser Spielgemeinschaft allerdings nicht, vor allem die Fangruppen von FC und SC waren sich bisher spinnefeind. Angetrieben wurde dieses Projekt vor allem vom in Hamburg lebenden Bernd Günther, der unter anderem Mitte der 1980er-Jahre durch Börsenspekulationen in die Schlagzeilen geriet. 1989 übernahm Günther nicht nur das Sponsoring beim FC Bremerhaven, sondern gleich den ganzen Klub, quasi als „Ein-Mann-Betrieb“. Von Hamburg aus leitete Günther auch die Finanzen des Vereins, wobei er fremden Blicken in seine Buchhaltung alles andere als aufgeschlossen gegenüberstand und -steht. Seine rhetorischen Fähigkeiten scheinen jedoch enorm zu sein, sonst hätte er dem Bremer Fußball-Verband kaum die nötige Sondergenehmigung für die nun entstandene Spielgemeinschaft abringen können. Eine vollständige Fusion von FC Bremerhaven und SC Sparta stand also erstmal nicht auf der Agenda, war für die mittelfristige Zukunft des Vereins jedoch geplant – und auch eine vom BFV aufgestellte Bedingung für die Erteilung der Sondergenehmigung.

Nun wurde es einige Zeit lang recht ruhig um diese Angelegenheit, bis im Januar 2015 plötzlich eine Bombe platzte: die Fusion war plötzlich vom Tisch, der SC Sparta würde sich zum Ende der Saison 2014/2015 aus der Spielgemeinschaft zurückziehen und der FC Sparta Bremerhaven würde damit aufhören zu existieren, hieß es in mehreren Medienberichten. Was war passiert? Der FC Bremerhaven spielte auf dem Gelände des SC Sparta an der Pestalozzistraße nur zur Miete, über ein eigenes Sportgelände verfügte der FCB nicht mehr. Es stellten sich Unstimmigkeiten über die Höhe der von Bernd Günther zu leistenden Miete ein, weshalb Günther ab Januar 2014 die Mietzahlungen gänzlich eingestellt hatte. Zudem verweigerte Günther dem SC Sparta Einsicht in Finanzunterlagen. Als nun klar war das die ursprünglich geplante Vereinsfusion nicht mehr stattfinden würde zog der BFV seine eigentlich nur für eine Saison erteilte Sondergenehmigung zurück – warum der Bremer Verband diese überhaupt solange hat laufen lassen und damit gegen seine eigenen Statuten verstieß, ist nie öffentlich bekannt geworden.

Dies bedeutete automatisch auch den Verlust der Spielberechtigung für die Bremen-Liga – ein Spieler-Exodus war die Folge. Noch in der Winterpause 2014/2015 verließen fünf Leistungsträger den Verein, zahlreiche weitere Spieler kündigten ihren Abgang für das Saisonende an. Damit waren die Kicker jedoch etwas voreilig, denn bereits im März erlebte der Fall eine überraschende Wende: die Vereinsfusion werde nun doch durchgeführt. Die weitere Zukunft in der Bremen-Liga schien gesichert, doch in Bremerhaven sollte man stets auf Überraschungen gefasst sein. Am 14. Juli 2015, nur fünf Wochen vor dem geplanten Start der neuen Saison, folgte der nächste Paukenschlag: der FC Sparta Bremerhaven ließ über den Bremer Fußball-Verband mitteilen dass man auf den Startplatz in Bremens höchster Spielklasse „aus Personalgründen“ freiwillig verzichten werde. Was das genau bedeute, darüber schwieg sich der Verein bis heute aus. Etwas redseliger war da Ex-Trainer Stefan Kriesen gegenüber dem „Weser-Kurier“, der zu Protokoll gab dass man einfach keine wettbewerbsfähige Mannschaft zusammengekriegt hatte. Mit den Spielern, die nach den zahlreichen Abgängen noch übrig waren, wäre man „bloß Kanonenfutter“ gewesen, so Kriesen. Daher ziehe sich der FC Sparta in die nächsttiefere Liga zurück, die sechstklassige Landesliga, dort solle „ein Neuanfang“ gestartet werden. Nutznießer war der KSV Vatan Spor, der nun als bestplatzierter sportlicher Absteiger die Klasse halten durfte.

Der bisherige Verlauf dieses „Neuanfangs“ ist mit der Bezeichnung „katastrophal“ allerdings noch äußert wohlwollend umschrieben. Aus den bisher elf absolvierten Ligaspielen holte der FC Sparta Bremerhaven erst zwei magere Pünktchen, hat zudem mit 14:49 Toren das mit Abstand schlechteste Torverhältnis der Liga und steht wenig überraschend abgeschlagen am Tabellenende. Auch im Bremer Landespokal, in dem man in der Vorsaison noch das Halbfinale erreicht hatte, war nach einem 2:8 beim Lokalrivalen OSC Bremerhaven bereits Schluss in der zweiten Runde. Der Kader, der kaum noch Ähnlichkeit mit dem der vorangegangenen Spielzeit aufweist, hat seine Landesliga-Tauglichkeit bisher komplett vermissen lassen und es ist mehr als zweifelhaft ob das Team das Ruder nochmal herumreißen kann. Momentan muss von einem Abstieg in die siebtklassige Bezirksliga ausgegangen werden – wie es mit dem Verein und mit Bernd Günther dann weitergeht ist völlig ungewiss. Aber auf eines kann man sich schon fast sicher verlassen: Bremerhaven ist immer für eine Überraschung gut, sowohl in positiver als auch in negativer Hinsicht.

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