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Die Älteren unter Euch werden sich vielleicht erinnern: ging es darum einen strauchelnden Erstligisten zu verhöhnen, so erklangen vor dem Jahrtausendwechsel gerne Gesänge in den Fankurven die der betreffenden Mannschaft eine Auswärtsfahrt nach Meppen in Aussicht stellten. Ich habe am vergangenen Wochenende diese Fahrt freiwillig auf mich genommen – und es nicht bereut.


WP_20151122_13_54_19_PanoramaZunächst muss ich vorausschicken dass dieser Bericht eigentlich das Heimspiel des SV Arminia Hannover gegen die Freie Turnerschaft Braunschweig behandeln sollte, denn diese Spielpaarung hatte in der Abstimmung meiner Leser die meisten Stimmen bekommen. Doch der norddeutsche Spätherbst machte leider einen Strich durch die Rechnung, sodass das Spiel abgesagt werden musste (an dieser Stelle nochmal ein herzliches Dankeschön an den SV Arminia Hannover, der mich von dieser Spielabsage sehr frühzeitig in Kenntnis setzte). So fuhren meine Lebensgefährtin und ich zum SV Meppen 1912, dessen Heimspiel gegen den Lüneburger SK Hansa die zweitmeisten Stimmen erhalten hatte.

Meppen war, wie im Einleitungsabsatz schon beschrieben, früher mal das Synonym für einen typischen Zweitligisten. Elf Jahre lang, von 1987 bis 1998, spielte der SV Meppen in Deutschlands zweithöchster Spielklasse, wobei es dreimal gelang einen einstelligen Tabellenplatz zu erreichen. Noch heute belegt der SV Meppen Platz 32 in der ewigen Tabelle der 2. Bundesliga (von insgesamt 125 Mannschaften). Doch am Ende der Saison 1997/1998 war diese Ära vorbei, als der SVM als Tabellenletzter absteigen musste – seit dem ist Meppen nie wieder in die 2. Bundesliga zurückgekehrt. Auch in der damals drittklassigen Regionalliga Nord konnten sich die Emsländer nur zwei Jahre lang halten, danach ging es runter in die Oberliga Niedersachsen/Bremen. Ab der Spielzeit 2008/2009 war Meppen sogar drei Jahre lang nur fünftklassig, ehe man im Sommer 2011 als Meister der Niedersachsen-Liga in die nun viertklassige Regionalliga Nord aufstieg, welcher der Klub bis heute angehört.

Von den Zeiten der Zweitklassigkeit geblieben ist unter anderem das Stadion. Unter dem Namen „Meppener Sportplatz“ im Jahr 1924 eröffnet wurde die 16.610 Zuschauer fassende Sportstätte 1927 in „Hindenburgstadion“ umbenannt sowie 1992 in „Emslandstadion“. Seit 2005 wurden die Namensrechte an diverse Sponsoren veräußert, aktuell trägt das Stadion den Namen eines Unternehmens für Warn- und Signalsysteme für Auto und Verkehr aus der nahe gelegenen Stadt Herzlake – und natürlich musste auch hier aus einem altehrwürdigen Stadion eine „Arena“ werden.

Das Emslandstadion machte auf mich einen äußerst gemütlichen Eindruck, es gehört zu jenem Typ Stadion den ich besonders gerne mag. Keine Laufbahn um den Rasen, die Zuschauer sind ziemlich nah am Geschehen. Der Spielertunnel führt durch die Stehplatztribüne hinter dem Tor hindurch, die Tribünen verbreiteten eine fast schon britische Atmosphäre. Seit 1996 verfügt das Stadion auch über vier große Flutlichtmasten, doch warum diese heute, bei blauen Himmel und schönstem Sonnenschein, eingeschaltet werden mussten, das wird wohl ein Geheimnis der Meppener Vereinsverantwortlichen bleiben. Die gegenüberliegende Stehplatztribüne hinter dem anderen Tor, welche heute leer blieb, machte aus der Ferne einen etwas verwahrlosten Eindruck, mit zwischen den Stufen emporsprießenden Grasbüscheln, so als sei sie schon längere Zeit nicht mehr benutzt worden. Die wenigen Gästefans (etwa ein Dutzend), die ich entdecken konnte, hatten sich auf der großen Sitzplatztribüne zu meiner Rechten niedergelassen.

Ob es beim SV Meppen derzeit eine aktive Ultraszene gibt ist mir nicht bekannt, zahlreiche entsprechende Aufkleber im Stadion lassen vermuten dass das zumindest in der Vergangenheit mal der Fall war. Heute waren Ultras jedoch entweder nicht anwesend oder sie hatten sich ziemlich gut versteckt, denn ein Support in Form von Fahnen, Bannern und/oder Gesängen fehlte während des kompletten Spiels vollständig. Lediglich bei Eckbällen oder Freistößen in Strafraumnähe erbarmte sich das 1.065 Köpfe starke Publikum eines rhythmischen Klatschens, ansonsten herrschte größtenteils Stille. Trotz Temperaturen nur knapp über dem Gefrierpunkt war die Stimmung jedoch keinesfalls eisig, sondern ausgesprochen locker und entspannt. Ordner scherzten mit Zuschauern, Zuschauer scherzten mit Schiedsrichter-Assistenten und dazwischen wuselten Kinder umher und sammelten weggeworfene Plastikbecher ein.

Vor dieser Begegnung belegte Meppen den sechsten Tabellenplatz, die Gäste vom Lüneburger SK Hansa lagen neun Punkte dahinter auf Rang zehn (obwohl sie bereits zwei Spiele mehr als der SVM absolviert hatten). Beide Teams waren daher scharf auf drei Punkte: Meppen wollte den Anschluss an die Tabellenspitze nicht verlieren, Lüneburg nicht in den Sog der Abstiegsplätze gezogen werden. Meppen, als leichter Favorit dieser Begegnung, trat zunächst auch als ein solcher auf und dominierte die Begegnung weitestgehend. So kam es auch nicht sehr überraschend als die Hausherren in Person von Erdogan Pini in der zwölften Minute in Führung gingen. Ab Mitte der ersten Hälfte tat sich Meppen jedoch sichtbar schwerer, wozu der tiefe und sehr rutschige Rasen sein übriges beitrug. Meppens Offensivdruck verlor etwas an Schwung, leider galt das auch für die Defensive, so dass der Lüneburger SK Hansa immer gefährlicher wurde. Nur wenige Minuten vor dem Halbzeitpfiff geschah es dann: Nico Hübner erzielte den Ausgleich für die rot-schwarzen Gäste.

In der Halbzeitpause testeten wir die kulinarischen Angebote des Vereins und kamen zu dem Schluss dass die Frikadellen mit Pommes durchaus eine Empfehlung wert sind. So gestärkt beobachteten wir den Anpfiff der zweiten Halbzeit. Der Sekundenzeiger hatte seinen Orbit erst einmal voll beendet, da klingelte es das nächste Mal: der Ghanaer Kwasi Okyere Wriedt erzielte die 1:2-Führung für die Gäste. Unmut machte sich auf den Rängen breit und auch den Spielern war deutlich anzusehen wie unzufrieden sie mit ihrer eigenen Leistung waren. Das Spiel wurde fortan deutlich ruppiger, auf beiden Seiten wurden nun die etwas rustikaleren Grätschen ausgepackt, sodass Schiedsrichter Fabian Porsch deutlich mehr zu tun bekam. Mit Muhamed Alawie war es ausgerechnet ein ehemaliger Lüneburger, der in der 57. Spielminute den Ausgleich erzielte: nach einem Eckball von der rechten Seite stand die Nummer acht des SVM goldrichtig und knallte den Ball so schnell zwischen die Pfosten von LSK-Keeper Maximilian Wulf dass dieser gar nicht mehr reagieren konnte. Das Spiel wurde in der Folge leider noch rauer, beide Mannschaften wollten hier unbedingt den Sieg mit nach Hause nehmen. Es dauerte bis zur 82. Minute, als dann endlich die Entscheidung fiel: wieder ein Eckball für den SV Meppen von der rechten Seite, der Ball kam hoch auf Innenverteidiger Dennis Geiger – der ihn mit einem äußerst sehenswerten Fallrückzieher zum 3:2-Endstand für die Hausherren im Tor versenkte. Leider war das Match damit noch nicht vorbei. Tore sollten zwar keine mehr fallen, dafür aber Spieler, sodass Jens Robben auf Seiten des SVM (89. Minute) sowie Jannis Opalka bei den Gästen aus Lüneburg (88. Minute) noch per gelb-roter Karte den Platz vorzeitig verlassen mussten.

Es war eine Begegnung die aufgrund ihres spielerischen Niveaus zurecht in der Regionalliga stattfand, dabei aber trotzdem durchaus unterhaltsam war und mit dem SV Meppen einen verdienten Sieger fand. Von der Form eines Zweitligisten ist der erfolgreichste Fußballverein des Emslandes natürlich noch sehr weit entfernt, als Identifikationsorgan für die Region besitzt der SVM aber trotzdem noch eine enorme Strahlkraft, dank des Stadions besteht hier auch durchaus Potenzial für mehr. Wenn es dem Verein gelingt mittelfristig den Sprung in die 3. Liga zu schaffen, so kann der Klub durchaus eine attraktive Fußballadresse über das Emsland hinaus werden. Ich würde mich sehr freuen wenn das gelingen würde, denn der Aufenthalt war äußerst sympathisch, auf eine sehr angenehme Art entspannt und die acht Euro Eintritt (für einen Stehplatz) definitiv wert.


Welches Spiel soll ich als nächstes besuchen? Die Abstimmung darüber hat bereits begonnen! Auch Du kannst Deine Stimme abgeben, und zwar [hier].


BILDERGALERIE SV MEPPEN 1912 – LÜNEBURGER SV HANSA 3:2

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