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Im Amateurfußball im Nordwesten der Republik herrscht bereits seit einigen Jahren Unmut. Grund hierfür ist die aktuelle Struktur der der Regionalliga Nord untergeordneten Ligen sowie die Auf- und Abstiegsregelungen zwischen ihnen, die oft als zu kompliziert, sportlich unfair und/oder als zu große Leistungshürden empfunden werden. Im Folgenden habe ich mir einige Gedanken gemacht welche Reformen diese Probleme lösen oder zumindest abmildern könnten. All diese Vorschläge sind zur angeregten Diskussion freigegeben.


600508_639387376091081_386368462_nDer Status quo

Im Moment sind unter der Regionalliga Nord, der einzigen Liga die der alleinigen Verantwortung des Norddeutschen Fußball-Verbandes (NFV) unterliegt, vier fünfte Ligen angeordnet: die Oberligen Niederssachsens und Schleswig-Holsteins sowie die Verbandsligen von Bremen und Hamburg. Am Ende der Saison steigen drei Mannschaften aus der Regionalliga ab und werden durch drei Fünftligisten ersetzt: der Meister der Niedersachsen-Liga darf direkt aufsteigen, der niedersächsische Vizemeister nimmt zusammen mit den Meistern aus Bremen, Hamburg und Schleswig-Holstein an einer Aufstiegsrunde teil. Diese wird in einer Vierergruppe ohne Rückspiele ausgespielt, jedes Team hat dabei ein Heimspiel, ein Auswärtsspiel sowie eine Begegnung auf neutralen Platz zu bestreiten. Sind alle sechs Aufstiegsspiele ausgetragen, so dürfen die beiden Mannschaften mit den meisten Punkten dem Niedersachsen-Meister in die Regionalliga nachfolgen.

Soweit das grundsätzliche Prozedere. Dreimal wurde der Aufstieg in die Regionalliga Nord bisher auf diese Weise geregelt, doch nur einmal, nämlich vor der Saison 2013/2014, konnte die Aufstiegsrunde wie geplant durchgeführt werden, als sich der SV Eichede aus Schleswig-Holstein sowie der FC Eintracht Norderstedt aus Hamburg vor USI Lupo Martini Wolfsburg aus Niedersachsen und dem Brinkumer SV aus Bremen durchsetzten. Doch in den beiden darauf folgenden Spielzeiten 2014/2015 und 2015/2016 wurde der Plan über den Haufen geworfen: beide Male meldete sich kein Hamburger Verein zur Teilnahme an die Aufstiegsrunde an, sodass sich das Teilnehmerfeld auf drei Mannschaften reduzierte. Als Folge hiervon wurde natürlich auch der Spielplan geändert. Das Spiel auf neutralem Platz entfiel, jedes Team bestritt je ein Heim- und ein Auswärtsspiel, am Ende stiegen zwei der drei Mannschaften auf.

Dieser Modus birgt einige Probleme. Zum einen kam man aus unbekannten Gründen auf die Idee, die Ansetzung der Spiele zwei und drei vom Ergebnis des ersten Spieles abhängig zu machen. Das stellt die Vereine, meist reine Amateur mit bestenfalls halbprofessionellen Strukturen und Ressourcen, vor Planungsprobleme, da sie erst sehr kurzfristig erfahren wann sie wo gegen welchen Gegner spielen müssen. Zudem beinhaltet dieser Playoff-Modus ein grundsätzliches Problem, welches alle Playoff-Runden im Vereinsfußball mit sich bringen: ein einziger schlechter Tag, ein einziger schwacher Moment, kann hier leicht die harte und bis dato sehr erfolgreiche Arbeit einer ganzen Saison zunichte machen. Schlussendlich hat man es in dieser Dreier-Kombination auch mit einem nicht zu unterschätzenden Manipulationsrisiko zu tun: manche Zuschauer wollen im letzten Aufstiegsspiel 2015 zwischen dem VfV Borussia 06 Hildesheim und dem TSV Schilksee einen „Nichtangriffspakt“ beobachtet haben, da sich während dieses Spiels zufällig genau das Ergebnis eingestellt hatte, dass beiden Teams zum Aufstieg reichen würde. Leidtragender war der Bremer SV, während dieser Partie zum Zuschauen verdammt, der trotz zweier Meisterschaften hintereinander wieder nicht den verdienten Lohn in Form des Aufstiegs einstreichen durfte.

Wegen dieser und vieler anderer Gründe wurde unter den Fußballfreunden vielerorts der Ruf laut, dass es ein Ligameister grundsätzlich in die nächsthöhere Spielklasse aufsteigen müsse. Mit der aktuellen Ligastruktur ist dies jedoch kaum möglich, weshalb eine Umsetzung dieser Idee eine Ligareform fast zwingend nötig machen würde. Wie dies bewerkstelligt werden könnte, dazu habe ich mir im Folgenden einige Vorschläge überlegt.


Vorschlag 1: Mehr Absteiger

Dies ist die einzige Variante, mit der keine Neustrukturierung der Ligen notwendig wäre. Die Anzahl der Absteiger aus der Regionalliga Nord wird von drei auf vier erhöht, im Gegenzug steigt jeder Meister der vier fünften Ligen direkt auf.
Vorteile: Die Aufstiegsspiele nach der Saison entfallen, für die Meister herrscht, sobald sie in ihrer Liga den ersten Platz sicher erreicht haben, Planungssicherheit für die nächste Saison.
Nachteile: Die Regionalligisten müssten mit einer größeren Abstiegszone leben, der Klassenerhalt wird vor allen für die kleineren Vereine deutlich schwerer. Zudem müsste Niedersachsen das (potenzielle) Aufstiegsrecht für seinen Oberliga-Vizemeister einbüßen. Das ist vor allem deshalb problematisch da in der Niedersachsen-Liga die durchschnittliche Leistungsdichte deutlich höher ist als in den anderen drei Ligen. Zudem gehören dem Niedersächsischen Fußball-Verband mit 2.668 mehr als doppelt so viele Vereine an wie in den Verbänden Bremen (81), Hamburg (459) und Schleswig-Holstein (619) zusammen.


Vorschlag 2: Wiedereinführung der Oberliga

Von allen Varianten, die mir bisher eingefallen sind, ist diese mein persönlicher Favorit. Dieser Vorschlag sieht vor zwischen der Regionalliga und den bisherigen Verbandsligen eine in zwei Staffeln aufgeteilte Oberliga einzurichten, mit anderen Worten: die Wiedereinführung der Oberligen Niedersachsen/Bremen und Hamburg/Schleswig-Holstein. Um den Leistungsdichten sowie den Verbandsgrößen Rechnung zu tragen würde man bei der Qualifikation zu den neuen Oberligen entsprechende Zuteilungsschlüssel anwenden, zum Beispiel die besten drei Mannschaften Bremens plus die besten 15 Teams aus Niedersachsen für die Oberliga Niedersachsen/Bremen und sieben Vereine aus Hamburg plus elf aus Schleswig-Holstein für die Oberliga Hamburg/Schleswig-Holstein. Über die genauen Verhältnisse kann natürlich nach Herzenslust diskutiert werden. Die Meister der beiden Oberligen dürfen direkt in die Regionalliga aufsteigen, zudem könnte zwischen den beiden Vizemeistern ein dritter Aufsteiger ausgespielt werden.
Vorteile: Meister dürften direkt aufsteigen. Der Leistungsunterschied zwischen den Verbandsligen und der Regionalliga, der aktuell sehr (oder zu?) groß ist, würde durch eine zwischengeschaltete Spielklasse deutlich abgemildert, auch was die Zulassungs- und Lizenzbedingungen betrifft. Die Spitzenmannschaften der kleinen Verbände, wie zum Beispiel Bremen oder Hamburg, kämen in den Genuss Auswärtsspiele außerhalb der Stadtgrenzen austragen zu können.
Nachteile: Alle Mannschaften, denen die Qualifikation für die neue Oberliga nicht gelingt, sowie alle Mannschaften aus darunter liegenden Ligen, würden nach der Oberliga-Einführung automatisch um eine Spielklasse herabgestuft werden, die unter der Oberliga angesiedelten Spielklassen würden allesamt somit eine Abwertung erfahren.


Vorschlag 3: Aufspaltung der 3. Liga

Diese Variante wäre am umfangreichsten und vermutlich auch am schwersten umzusetzen. Sie sieht vor dass die 3. Liga, wie vor einigen Jahren bereits praktiziert, in eine Nord- und eine Südstaffel aufgespaltet wird. Unterhalb der 3. Liga Nord könnten u.a. eine Regionalliga Niedersachsen/Bremen sowie Hamburg/Schleswig-Holstein angegliedert werden.
Vorteile: Die Meister könnten direkt aufsteigen, alle norddeutschen Spielklassen unterhalb der 3. Liga würden eine Aufwertung erfahren.
Nachteile: Die 3. Liga würde stark an Attraktivität und Vermarktungspotenzial verlieren. Der Unterschied zwischen den beiden neuen Nord-Regionalligen und der 3. Liga wäre in den Punkten Leistungsdichte sowie Zulassungs- und Lizenzanforderungen vermutlich extrem groß. Gegebenenfalls besteht die Gefahr das viele Vereine finanziell überfordert werden bzw. sich genötigt sehen enorme finanzielle Risiken einzugehen.


Soweit meine drei Vorschläge. Alle haben ihre Vor- und Nachteile, einen Weg der keine Nachteile mit sich bringt habe ich leider nicht gefunden – kurz gesagt, irgendjemand wird wohl immer etwas zu meckern haben.

Diskutiert mit mir: welchen Vorschlag findet Ihr am besten und warum? Habt Ihr vielleicht völlig andere Ideen?

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