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Sechste Liga in Bremen. Das klingt in etwa so aufregend wie die Frisur von Sepp Blatter, doch heute wäre man mit diesem Vorurteil falsch beraten gewesen. Denn mit dem SC Vahr-Blockdiek und dem FC Oberneuland trafen heute der Landesliga-Dritte und -Zweite aufeinander. Die Anwendung der Phrase „Topspiel“ ist also nicht übertrieben.


WP_20151128_15_02_53_PanoramaVorausgeschickt werden muss noch folgendes: die Herbst- und Wintermonate sind für einen Groundhopper, der sich auf den Amateurfußball spezialisiert hat, immer etwas problematisch, denn die schönsten Spiel- und Reisepläne sind nur noch einen feuchten Dreck wert wenn das norddeutsche Schietwedder nicht mitspielt. Die Abstimmung meiner Leser hatte mich eigentlich zum Heimspiel des Altonaer FC 1893 gegen den SV Curslack-Neuengamme in die altehrwürdige Adolf-Jäger-Kampfbahn geschickt, doch wie der AFC auf Facebook mitteilte hatte der dortige Rasen wohl einen über den Durst getrunken und brauchte deshalb seine Ruhe. So reisten meine Lebensgefährtin und ich zu jenem Spiel dass in der Abstimmung die zweitmeisten Stimmen erhalten hatte, was uns auf die Bezirkssportanlage Blockdiek in Bremen führte.

WP_20151128_006Die sechstklassige Landesliga ist die zweithöchste Herrenspielklasse im Bereich des Bremer Fußball-Verbandes und hatte bis vor kurzem einen klaren Favoriten: Neuaufsteiger FC Oberneuland, vor wenigen Jahren noch Regionalligist und DFB-Pokal-Teilnehmer, siegte sich von Spiel zu Spiel und schien die Liga fast nach Belieben zu dominieren. Doch mittlerweile haben sich mit dem SC Vahr-Blockdiek und Sport-Freizeit Leherheide (oft nur „SFL Bremerhaven“ genannt) zwei weitere Teams zum munteren Dreikampf an der Tabellenspitze eingefunden. Vor dem heutigen Spiel führte SFL die Tabelle mit 30 Punkten an, es folgten Oberneuland und Vahr-Blockdiek mit jeweils 28 Punkten. Eine enge Angelegenheit also, die der heutigen Begegnung ihre Brisanz verlieh. Zudem haben beide Vereine ihren Sitz im Osten der Hansestadt, nur rund anderthalb Kilometer voneinander entfernt, also schwang auch eine dezente Derby-Mentalität mit.

Die Bezirkssportanlage Blockdiek hat, zumindest was die Außenanlagen betrifft, einen sehr gepflegten Eindruck auf mich gemacht, alle Spielfelder die ich zu Gesicht bekam waren in einen sehr guten Zustand. Das Wetter meinte es auch gut mit uns, es war nur leicht bewölkt und niederschlagsfrei, jedoch machte sich ein recht eisige Wind recht schnell unangenehm bemerkbar. Nachdem wir vier Euro Eintritt entrichtet hatten betraten wir den Hauptplatz, ein großes grünen Rechteck umrandet von einer Schlackelaufbahn. Auf der den Ersatzbänken gegenüberliegenden Seite verliefen zwei große Steinstufen am Spielfeld entlang, welche als Zuschauertribüne dienten und mit grob geschätzt knapp 50 Zuschauern recht gut besucht war. Auffällig war die Tatsache dass unter den Zuschauern sehr viele Vertreter anderer Bremer Vereine zu finden waren, wie beispielsweise vom SV Hemelingen, SFL Bremerhaven oder auch dem Bremer SV.

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Elektronische Ausstattung in Form von Flutlicht, Lautsprecheranlage oder Anzeigetafel sucht man in Blockdiek vergebens, dennoch bestand Schiedsrichter Hidir Emen darauf die unmittelbar vor Anpfiff bereits auf Spielfeld gelaufenen Oberneuländer Spieler nochmal zurückzupfeifen und gemeinsam mit der Heimmannschaft ein „ordnungsgemäßes“ Einlaufen in Reih und Glied durchzuführen, Aufstellung in der Spielfeldmitte zwecks Ins-Publikum-Winken inklusive. Ob diese Aktion angesichts des doch sehr kleinen Rahmens nicht ein wenig überzogen war lasse ich an dieser Stelle mal dahingestellt, nur soviel: schon oft ist der Amateurfußball mit der großen Bühne des Profitums verwechselt worden, auch von Schiedsrichtern.

Nach Anpfiff erlebte das Spiel schnell seinen ersten Höhepunkt, nämlich als Sercan Cimen bereits in der achten Minute den SC Vahr-Blockdiek mit 1:0 in Führung brachte. In der Folge hatten die Platzherren zwei weitere dicke Gelegenheiten um diese Führung weiter auszubauen, doch diesmal war das Glück auf Seiten der Gäste. Mitte der ersten Hälfte kippte die Begegnung auch optisch ein wenig zugunsten des FCO, der in der 27. Minute durch Nick Gutmann den verdienten Ausgleich erzielte. Oberneuland blieb weiter am Drücker, erzielte zehn Minuten später durch Vafing Jabateh auch noch den 1:2-Führungstreffer, mit dem es auch in die Halbzeitpause ging.

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Die Vereinsgaststätte war mit einem Schild versehen der nur Mitarbeitern den Zutritt erlaubte, doch dank eines kleinen Verkaufsstandes an der benachbarten Turnhalle konnten wir uns einen wärmenden Kaffee einverleiben. Ein netter Herr sagte uns im scherzhaften Ton zwar, dieser Kaffee sei von gestern und gerade erst in der Mikrowelle wieder aufgewärmt worden, aber erstens schien das wirklich nicht ernst gemeint gewesen zu sein, zweitens kostete der Becher nur einen Euro und drittens war uns mittlerweile so kalt dass es uns sogar herzlich wurscht gewesen wäre.

Zurück auf dem Platz und durch das Heißgetränk leidlich aufgewärmt erlebten wir den Beginn einer zweiten Halbzeit, in der sich, um es mal diplomatisch auszudrücken, die Kräfte und Fähigkeiten beider Mannschaften egalisierten. Mit anderen Worten: es schlich sich ein wenig Langeweile ein, denn auf dem Platz wurde gerade demonstriert, warum dieses Spiel in der sechsten Liga stattfand. In der 70. Minute erhöhte dann Sascha Jütting auf 1:3 für den FC Oberneuland, der Sack schien damit zu, jedoch waren zu diesem Zeitpunkt bereits deutlich weniger Zuschauer anwesend als noch im ersten Durchgang. Auf dem Platz wurde nun immer mehr lamentiert, diskutiert und reklamiert, was den gelegentlich etwas hektisch wirkenden Unparteiischen zu insgesamt vier gelben Karten veranlasste. Spannend wurde es nochmal in der 79. Minute, denn Andreas Kaboth verkürzte für den SC Vahr-Blockdiek auf 2:3. Die in grau spielenden Blockdieker (FCO-Torhüter Marco Behrens spielte übrigens auch in grau, was gelegentlich etwas irritierend war) hatten es nun plötzlich sehr eilig, während sich bei den Gästen vom Vinnenweg eine große Tiefenentspannung breit machte. Kurioserweise war letzterer der Weg zum Erfolg, denn in der zweiten Minute der Nachspielzeit erzielte Ayoub Rochd mit dem Schlußpfiff den FCO-Treffer zum 2:4-Endstand.

Da SFL Bremerhaven etwas überraschend beim Stadtrivalen TuSpo Surheide mit 0:3 unterlag hat nun der FC Oberneuland die Tabellenführung inne, was ganz dem Anspruchsdenken des FCO entspricht, schließlich will man nach der Talfahrt der vergangenen Jahre, inklusive Insolvenz und Absturz bis in die Bezirksliga, so schnell wie möglich wieder in Bremens höchste Spielklasse zurückkehren. Auch für den SC Vahr-Blockdiek ist dieses Ziel noch erreichbar, denn lediglich zwei Punkte trennt den SCVB von den beiden Aufstiegsplätzen.


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