Wenn sich in einer Fußballmannschaft Frust breitmacht, dann wirkt dies fast immer wie Gift auf die Leistungsfähigkeit des Teams. Kommt dann noch Resignation dazu ist es um die Zukunft dieser Mannschaft schlecht bestellt. Im Bremer Frauenfußball gibt es zur Zeit ein Team, dass mit genau diesen Problemen kämpft – doch am Ende sieht man sich beim TuS Komet Arsten noch lange nicht.


10402687_813665625340839_1568792324441662798_nIch muss vorausschicken dass ich bei diesem Text, im Gegensatz zu all meinen anderen Artikeln hier, nicht ganz unvoreingenommen und neutral bin. Denn die Frauenmannschaft des TuS Komet Arsten und mich verbindet die Tatsache dass meine Lebensgefährtin ein Teil dieses Teams ist, dass sich aktuell mit zahlreichen Schwierigkeiten herumschlägt. Dabei sind die erfolgreichen Tage dieser Mannschaft noch gar nicht so lange her. In der Saison 2013/2014 erreichte das Team die Vizemeisterschaft in der Landesliga, der zweithöchsten Spielklasse im Bereich des Bremer Frauenfußballs. Dadurch stieg TuS Komet Arsten in die Verbandsliga auf, doch aufgrund des nicht kompensierbaren Abganges zahlreicher Schlüsselspielerinnen, geriet Arsten in der Saison 2014/2015 schnell unter die Räder. Am Ende der Saison stand nur ein mageres Pünktchen und 8:148 Tore aus 16 Spielen auf der Habenseite, der direkte Wiederabstieg war die logische Konsequenz, es folgte eine erneute Abgangswelle im Zuge derer auch viele Schlüssel- und Stammspielerinnen die Mannschaft verließen. Teilweise hörten die betreffenden Spielerinnen aus beruflichen oder schulischen Gründen ganz mit dem Fußballspielen auf, teilweise wegen Schwangerschaften oder besonders hartnäckigen Verletzungen, teilweise wurde auch zu anderen Vereinen gewechselt. Wieder in der Landesliga angekommen war die aktuelle Spielzeit bisher leider auch alles andere als erfolgreich: aus den bis jetzt neun absolvierten Spielen konnte auch nur ein einziger Punkt geholt werden, mit 6:66 Toren weist das Team die mit Abstand schlechteste Tordifferenz der Liga auf.

DSC05945Die Ursache dieser Talfahrt ist dabei nur in zweiter Linie bei den sportlichen Fähigkeiten der Mädchen zu suchen. Das Hauptproblem liegt eher im mental-emotionalen Bereich, mit dem Selbstvertrauen ist es (verständlicherweise) ebenso wenig weit her wie mit der Trainingsmotivation, sodass oft nur sehr wenige Spielerinnen zu den Übungseinheiten erscheinen. Unter solchen Umständen körperliche, taktische und strategische Fähigkeiten der Mannschaft zu verbessern ist nahezu unmöglich, was wiederum eine derbe Niederlage nach der Nächsten zur Folge hat, woraufhin die Motivation noch weiter sinkt… ein typischer Teufelskreis.

DSC05951Das Auswärtsspiel beim ESC Geestemünde am vergangenen Wochenende sollte dabei wieder typisch ins Schema passen. Der Bremerhavener Heimverein gehört zu den Jüngsten im Bereich des Bremer Fußball-Verbandes, erst im Sommer hatte sich der ESC aus einem Zusammenschluss diverser Bremerhavener Vereine gebildet (Details: siehe Wikipedia). Die Frauenmannschaft des ESC Geestemünde trieb sich bis zu dieser Begegnung gegen die TuS Komet Arsten im Mittelfeld der Tabelle herum und hatte mit 22:20 eine recht ausgeglichene Torbilanz.

DSC05955Für den Arstener Trainer Sascha Mahler begann das Frustgefühl bereits vor dem Anpfiff, als ihm kurzfristig vier Spielerinnen absagten. Sowas ist Mahler zwar schon gewohnt, das machte die Sache für ihn aber kein bisschen weniger ärgerlich. Diese Absagen hatten zur Folge dass sich mit Amelie Dunker nur eine einzige Ersatzspielerin auf der Reservebank befand – und das bei einem Team dessen konditioneller Zustand fast immer zahlreiche Auswechslungen noch vor der Halbzeitpause erfordern.

DSC05953Ob Komet Arsten das heutige Spiel mit mehr Auswechselspielerinnen erfolgreicher hätte bestreiten können ist jedoch ziemlich zweifelhaft, denn auch in technischer und taktischer Hinsicht waren die Hausherren des ESC Geestemünde weit überlegen. Angesichts der flinken Spielkombinationen, geschickten Ballverwertungen und des präzisen Passspiels sah sich die Arstener Verteidigung oft zu nichts weiter in der Lage als den Ball per Befreiungsschlag hinten raus zu bolzen, ein druckvolles Offensivspiel konnte so natürlich nicht zustande kommen. Kurz vor der Halbzeit, mittlerweile führten die Hausherren bereits mit 6:0, verletzte sich Mittelfeldspielerin Imke Huntemüller am linken Knie und konnte nicht mehr weiterspielen, sodass Dunker in die Partie kommen musste und weitere Auswechslungen somit ausgeschlossen waren.

DSC05962Die zweite Hälfte glich der ersten Halbzeit: Arsten versuchte sich tapfer den ESC-Angriffswellen entgegenzusetzen, konnte gegen den überlegenden Gegner aber kaum etwas ausrichten. In der 68. Minute drohte der nächste Ausfall, ausgerechnet Torhüterin Maike Neddermann hatte es erwischt. Ein zurecht von Schiedsrichterin Jessica Schlegel (OSC Bremerhaven) mit der gelben Karte geahndetes Foul hatte eine leichte Gehirnerschütterung der Torhüterin zur Folge. Neddermann lehnte es jedoch ab sich durch eine Feldspielerin ersetzen zu lassen, biss die Zähne zusammen und hielt bis zum Schlusspfiff durch. Am Ende stand (und es tut mir echt leid dass so deutlich sagen zu müssen) ein leistungsgerechter 11:0-Sieg des ESC Geestemünde, wobei Annika Gläsner mit vier Treffern einen Sahnetag erwischte, der sie auf den dritten Platz der Torschützinnen-Liste katapultierte.

DSC05966Für den TuS Komet Arsten war dies das letzte Pflichtspiel in diesem Jahr und natürlich sind die Überlegungen intensiv, wie man die aktuelle Krise beilegen kann. Dabei könnten die Lösungen recht nahe liegen: eine über lange Sicht deutlich höhere Trainingsbeteiligung würde Coach Mahler in die Lage versetzen, effektiver an den Schwachstellen der Mannschaft zu arbeiten. Zudem könnte es natürlich auch helfen den Kader zu vergrößern, um Ausfälle besser kompensieren zu können.

DSC06065Daran das Handtuch zu werfen denkt man beim TuS Komet Arsten jedoch noch lange nicht, die aktuelle Saison soll auf jeden Fall zu Ende gespielt werden. Und gute Argumente, die für ein Engagement bei dieser Mannschaft sprechen, gibt es durchaus: das Team versteht sich prima, bestreitet auch abseits des Platzes zahlreiche Unternehmungen zusammen und hat absolut keine Probleme mit Zickereien oder ähnlichem. Trainer Sascha Mahler, seine Assistent Dirk Stalhut und Betreuerin Jutta Mahler engagieren sich sehr für das Team, haben für alle stets ein offenes Ohr und legen Wert sich im Bereich Trainingsmethoden immer neue Erkenntnisse und Fortbildungen anzueignen. Zudem verfügt der Verein auch über ein ausgezeichnetes Trainings- und Vereinsgelände, welches sogar einmal im Jahr als Austragungsort für das Herren- und Frauenfinale im Bremer Landespokal genutzt wird. Es gibt nur viele freie Plätze in der Mannschaft, die das Team gerne so bald wie möglich besetzen möchte.

P.S.: Verstärkungen, egal ob mit Fußballerfahrung oder ohne, sind beim TuS Komet Arsten jederzeit herzlichen willkommen. Interessentinnen können sich gerne jederzeit bei Trainer Sascha Mahler unter saschasdamen@aol.com sowie unter den Telefonnummern 0421 – 46 79 102 oder 0172 – 43 27 149 melden.

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(Fotoquelle: TuS Komet Arsten/Melanie Mahler)

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