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WP_20151206_14_02_27_PanoramaIch feiere eine kleine Premiere: zum ersten Mal seit Einführung dieses Blogs wurde das Spiel, welches in meiner Groundhopping-Umfrage die meisten Stimmen erhalten hat, auch tatsächlich ausgetragen und nicht wegen Unbespielbarkeit des Platz abgesagt. Mein Weg führte mich nach Havelse, einem 5.400 Einwohner großen Stadtteil des Hannoverschen Vorortes Garbsen.


WP_20151206_002Ein wenig hektisch wurde es für meine Lebensgefährtin und mich dennoch. Um 14:00 Uhr wurde die Begegnung am vergangenen Sonntag angepfiffen und wir hatten eigentlich geplant um 12:00 Uhr unsere Wohnung in Bremen zu verlassen. Als wir in der Nacht zuvor gegen 0:30 Uhr zu Bett gingen verzichteten wir jedoch leichtsinnigerweise darauf einen Wecker zu stellen, als wir aufwachten und einen ersten verschlafenen Blick auf die Uhr warfen zeigte die 12:15 Uhr an – wir hatten klassisch verpennt. Unterwegs prügelten wir unseren kleinen blauen Smart zu seiner Höchstgeschwindigkeit von 150 km/h und waren guter Dinge die Spielstätte des TSV Havelse stressfrei zu erreichen, doch dann ließ uns auch noch unser Navigationssystem im Stich, sodass wir tatsächlich erst fünf Minuten vor Anpfiff das Stadion erreichten.

WP_20151206_003Der erste Eindruck, denn wir vom 3.500 Zuschauer fassenden Wilhelm-Langrehr-Stadion bekamen (benannt nach dem im Februar 2000 verstorbenen Fußball-Abteilungsleiters des Vereins), war spontan sympatisch. Die Hannoversche Straße führt unmittelbar an der Rückwand der Stehplatztribüne entlang, ein Bild dass ich bisher nur von diversen britischen Stadien kannte. Jene Stehplatztribüne war es auch, von der aus wir das Spiel verfolgten, wobei wir gestehen müssen dass wir neun Euro für einen Viertliga-Stehplatz schon ein bisschen knackig fanden.

WP_20151206_004Das Stadion schmiegt sich sehr eng um das Spielfeld, allerdings ohne beklemmend zu wirken, denn die Tribünen sind nicht allzu hoch und fügen sich dadurch harmonisch ins Ortsbild ein. Auf der Hintertor-Seite zu unserer Rechten stand keine Tribüne, nur ein großes Tornetz trennt dort die Sportanlage vom benachbarten Wohngrundstück, von dessen Fenstern aus man ebenfalls einen hervorragenden Blick auf das Spielgeschehen hat. Auf der gegenüberliegenden Hintertor-Seite wurden zwei kleine unüberdachte Stehplatztribünen errichtet, eine davon als Gästeblock. Dieser war heute von einer grob geschätzt drei bis vier Dutzend Köpfe starken Oldenburger Ultra-Gruppe besetzt, die von einem überraschend großen Polizeiaufgebot beaufsichtigt wurde. Die Oldenburger Ultras, die den ultra-typischen, monotonen und das konkrete Spielgeschehen weitestgehend ignorierenden Dauerschleifen-Singsang absolvierten, zeigten allerdings zumindest während der Dauer meiner Anwesenheit keinerlei aggressive Verhaltensweisen. In puncto Lautstärke waren sie den Heimfans deutlich überlegen, was unter anderem auch einer mitgebrachten Trommel zu verdanken war.

WP_20151206_005Die Gastmannschaft vom VfB Oldenburg hat derzeit in der Regionalliga Nord die Tabellenführung inne, der TSV Havelse belegt Rang sechs mit zwölf Punkten Rückstand. Aufgrund äußerst zahlreicher Spielausfälle hat die aktuelle Tabelle jedoch nur sehr eingeschränkt Aussagekraft, manche Teams haben ganze vier Spiele weniger absolviert als andere. Das norddeutsche Herbstwetter gibt derzeit wirklich sein bestes um dem Amateurfußball das Leben schwer zu machen. Heute hatten wir mit dem Wetter jedoch ausgesprochenes Glück, die Sonne schien flach und golden-orange ins Stadion und wurde nur gelegentlich von ein paar Wolken verdeckt, lediglich ein kalter und böiger Wind trieb uns in der Halbzeitpause zum Glühweinstand (drei Euro mit Schuss bzw. zwei Euro bleifrei).

WP_20151206_010Das Spiel selbst entwickelte sich nach Anpfiff schnell zu einer äußerst interessanten Partie auf Augenhöhe. Auf dem etwas mitgenommen wirkenden Grün gelangen beiden Teams sehenswerte Kombinationen und gute Torchancen, einen Treffer sollten wir heute allerdings nicht zu sehen bekommen. Aber es war, wie man so schön sagt, definitiv ein 0:0 der guten Sorte, ein sehr unterhaltsames und bis zum Abpfiff spannendes Spiel. Es gab jedoch einen Akteur, dem dieser Tag in keiner guten Erinnerung bleiben wird, nämlich den Oldenburger Torhüter Dominik Kisiel. Der Schlußmann der Gäste verletzte sich während der zweiten Halbzeit und musste ausgewechselt werden, der Frust war ihm deutlich anzusehen. Ich konnte von der Tribüne aus nicht erkennen welche Blessur sich der ehemalige polnische U18-Nationaltorwart zugezogen hat, hoffe aber dass es nicht allzu schlimm ist und dass er bald wieder auf den Beinen sein wird.

WP_20151206_011Laut Durchsage des Stadionsprechers sahen 648 „Schlawiner“, wie er es ausdrückte, diese Begegnung, eine Zahl die mich etwas überraschte, denn sie erschien mir deutlich zu klein. Der TSV Havelse wirbt mit dem Slogan „Wie geil ist das denn?“ und zumindest für den heutigen Tag kann ich mich diesem Stimmungsbild nur anschließen. Der Besuch hat großen Spaß gemacht, dem Verein gelingt der Spagat aus „Urigkeit“ (wie meine Lebensgefährtin es ausdrückte) und Professionalität vortrefflich. Während des Spiels liefen Kinder durch das Stadion und sammelten in einem Sparschwein Spenden für die Jugendabteilung (ja, auch wir haben eine Kleinigkeit beigetragen), was wir keineswegs als Belästigung empfunden haben, sondern als eine sehr sympathische Maßnahme um die Nachwuchsarbeit von der Popularität der Regionalliga-Mannschaft zumindest ein wenig profitieren zu lassen – unterstützenswert, wie ich finde.

WP_20151206_012Wir bekamen heute zwar keine Tore zu sehen, dafür einen authentischen Verein in einem sehr gemütlichen Stadion. Unseren Besuch beim TSV Havelse empfehlen wir definitiv zur Nachahmung, zudem raten wir auch zum Stellen eines Weckers und zur Anschaffung eines zuverlässigen Navigationssystems um die schöne Fußball-Atmosphäre dort auch entspannt genießen zu können.


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